
Projektträger:
Stadt Schwarzenbach a.d. Saale für die neun beteiligten Städte und Gemeinden des Interkommunalen Entwicklungskonzeptes „Nördliches Fichtelgebirge“.
Projektbeschreibung (Ziele und Inhalte):
Die absehbaren demografischen Veränderungen bedeuten für kleine Kommunen eine Herausforderung, die von diesen nicht mehr ausreichend und sinnvoll in Form einzelner isolierter Lösungsansätze bewältigt werden kann. Eine umfassende und nachhaltige Erarbeitung und Umsetzung von Lösungsansätzen ist nur noch im Rahmen interkommunaler regionaler Zusammenarbeit möglich, die sich weniger an territorialen Grenzen, sondern an dem gemeinsamen Interesse zur Lösung der Herausforderungen durch die demographischen Veränderungen orientiert. Deshalb haben bislang neun Städte und Gemeinden in der Region „Nördliches Fichtelgebirge“ ihre gemeinschaftliche Zusammenarbeit zur Erstellung und Implementierung eines interkommunalen Entwicklungskonzeptes für die Region beschlossen.
Diese Modellregion umfasst die folgenden Städte und Gemeinden: Markt Oberkotzau, die Stadt Schwarzenbach an der Saale, Markt Sparneck und den Markt Zell aus dem Landkreis Hof sowie die Stadt Kirchenlamitz, die Stadt Marktleuthen, die Gemeinde Röslau, die Stadt Schönwald und die Stadt Weißenstadt aus dem Landkreis Wunsiedel i.F.. In der Region leben insgesamt circa 35.000 Menschen.
Bei dieser Modellregion handelt es sich um eine ländliche Region mit urbanem Charakter, die vom produzierenden Gewerbe geprägt ist, aber einen tiefgreifenden Strukturwandel, verbunden mit einem dramatischen Rückgang der Beschäftigung in der Porzellan- und Textilindustrie, verkraften musste (Rückgang der Beschäftigung von 1995 - 2004 um 37%). Gemäß der mittleren Variante der Bevölkerungsprognose soll die Gesamtbevölkerung der geplanten Modellregion bis zum Jahr 2020, wenn keine Maßnahmen getroffen werden, um rund 8% abnehmen, wobei die Altersgruppe der Personen über 80 Jahre um 30% zunehmen wird. Bei den 65 bis 80 jährigen wird mit einem relativen Rückgang von rund 25% gerechnet. Somit werden im Jahr 2020 ungefähr 25% der Bevölkerung älter als 65 Jahre sein.
Ziel der Erstellung und Implementierung eines interkommunalen Altenhilfe- und Mehrgenerationenkonzeptes ist es, exemplarisch an den neun Kommunen aufzuzeigen, wie kurz- bis mittelfristig die Bedürfnisse einer älter werdenden Gesellschaft im ländlichen Raum durch interkommunale Zusammenarbeit effektiv ermittelt und gedeckt werden können und den demographischen Veränderungen nachhaltig entgegengewirkt werden kann. Langfristiges Ziel dieser interkommunalen Zusammenarbeit ist es, durch Verbesserung der Angebote für ältere Menschen und junge Familien bzw. Menschen deren Interesse an einem Umzug in die Region zu wecken, um dem Bevölkerungsrückgang und dem absehbaren Mangel an Fachkräften entgegenzuwirken.
Zusammengefasst ergeben sich folgende Ziele des Modellvorhabens:
Kurzfristiges Ziel: Gewinnung von Informationen über Wünsche und Bedürfnisse einer älter werdenden Gesellschaft
Mittelfristiges Ziel: Erstellung und Implementierung eines interkommunalen Altenhilfe und Mehrgenerationenkonzeptes
Langfristiges Ziel: Erhöhung der Attraktivität der Region für ältere Menschen und junge Familien
Zur Umsetzung der einzelnen Ziele ist eine Vorgehensweise im mehreren Schritten geplant. Dazu wurde im Rathaus der Stadt Schwarzenbach a.d.Saale ein Projektbüro eingerichtet, über welches die inhaltliche Steuerung des gesamten Projektes erfolgt:
1. Zuerst sollen mittels einer schriftlichen Befragung der Bevölkerung der Region deren persönliche Vorstellungen zu einem selbstbestimmten Leben im Alter, dem Bedarf an Beratungs-, Betreuungs- und Unterstützungsleistungen sowie die Bereitschaft zu bürgerschaftlichem Engagement ermittelt werden.
2. Auf diesen Informationen aufbauend soll ein interkommunales Altenhilfe- und Mehrgenerationenkonzept erarbeitet und umgesetzt werden, wobei auch die Schaffung nachhaltiger koordinierender Strukturen (z.B. Mehrgenerationenbüro) geplant ist.
3. Nach der Implementierung des interkommunalen Altenhilfe- und Mehrgenerationenkonzeptes soll die Modellregion gezielt überregional präsentiert werden - sowohl der Fachwelt, um den inhaltlichen Austausch zu fördern, als auch gegenüber der Bevölkerung vor allen in Großstädten, um diese zu einem Umzug in eine Modellregion mit senioren- und familiengerechter Infrastruktur und günstigen Lebenshaltungskosten zu motivieren.
Finanzierung:
- Kommunen der Modellregion
- Förderung durch das Bayerische Staatsministerium für Arbeit und Sozialordnung, Familie und Frauen
Projektlaufzeit:
April 2008 bis Januar 2011