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Damit alte Menschen gut leben können

Seniorengerechtes Wohnen | Gemeinderat Sparneck diskutiert über IEK-Konzept und Einstellung eines Managers


Sparneck
– Städte und Gemeinden müssen sich darauf einstellen, dass es in Zukunft immer mehr alte Menschen gibt. Doch mit welcher Strategie ist dieser Herausforderung zu begegnen? Darüber gab es in der jüngsten Sitzung des Sparnecker Marktgemeinderats eine rege Diskussion; Auslöser war die geplante Einstellung eines Managers für das Altenhilfeprogramm des „Interkommunalen Entwicklungskonzepts Zukunft NördlichesFichtelgebirge“ (IEK).

Wie Bürgermeister Gerhard Loy erläuterte, sei es das Ziel, seniorengerechte Versorgungs- und Wohnmöglichkeiten zu schaffen. Die Staatsregierung habe ein Förderprogramm aufgelegt für Städte und Gemeinden, die Mehrgenerationen-Projekte ins Leben rufen. Das IEK, an dem neben Sparneck acht weitere Gemeinden beteiligt sind, werde in das Förderprogramm aufgenommen. Diese Zusage sei im Februar eingegangen. Voraussetzung sei aber eine Bestandsaufnahme in den beteiligten Gemeinden, welcher Bedarf in punkto altersgerechtes Wohnen herrsche.

Das dreijährige „Impulsprojekt“ werde von der Regierung von Oberfranken begleitet, erläuterte Loy. Der Diplomsoziologe Michael Stein aus Leupoldsgrün solle für diese drei Jahre als Projektmanager eingestellt werden. Die Kosten für Sparneck lägen bei insgesamt 4717 Euro. Auf die neun beteiligten Gemeinden kämen Gesamtkosten in Höhe von 72000 Euro zu.

Unter den Gemeinderäten stieß das Vorhaben nicht nur auf Sympathie. Armin Prechtel (Freie Wählergemeinschaft) meinte: „Ich bin gespannt, wieviele Manager wir noch einstellen.“

Staatliche Förderung

CSU-Sprecher Hermann Benker stellte gar fest: „Ich sehe keine Veranlassung, dass sich Sparneck beteiligt. Ich sehe keine Vorteile.“ Sollte das Vorhaben in ein Alten- und Pflegeheim münden, werde dieses bei neun beteiligten Gemeinden wohl kaum in Sparneck entstehen. Das Thema Alterung der Gesellschaft müssten der Landkreis und die ganze Region anpacken. Im Übrigen würden immer mehr Probleme auf den Staat und die Kommunen abgewälzt; als Erstes seien jedoch die Familien gefordert. Und es gebe Vereine wie den VdK, die in der Altenarbeit aktiv seien und auf deren Erfahrungen man zurückgreifen könne.

Bürgermeister Loy war anderer Ansicht. Diese Vereine könnten keine Erhebungen durchführen. „Wenn die Staatsregierung so ein Programm auflegt, wird sie sich dabei etwas denken. Wir sollten die Gelegenheit am Schopfe packen. “Weite Teile der Bevölkerung, meinte Loy, hätten offenbar noch nicht verinnerlicht, „was demografisch auf uns zukommt“. Neben der Überalterung der Gesellschaft werde auch die Kluft zwischen Arm und Reich immer größer. „Diese Menschen werden allein auf sich angewiesen sein.“ Ziel des Altenhilfekonzepts sei vor allem, Begegnungsstätten zu schaffen, dass alte Menschen solange wie möglich in den eigenen vier Wänden leben könnten.Der Projektmanager werde nicht nur „in irgendeinem Rathaus sitzen“, versicherte Loy.Vielmehr werde er zum Beispiel Sprechstunden für Bürger anbieten. Loy betonte: Angenommen, 25 Sparnecker lebten in auswärtigen Senioreneinrichtungen wie der in Zell, dann bedeute dies, dass die Marktgemeinde Sparneck 100.000 Euro im Jahr weniger einnehme. „Wir müssen dafür sorgen, dass die alten Menschen hier leben können.“

Auf die wachsende Gefahr, dass Rentner verarmen, verwies auch SPD-Sprecher Karl Hegner. „Die Gemeinden müssen dafür sorgen, dass diese Menschen aufgefangen werden. Die Kosten werden an den Gemeinden hängen bleiben.“ Um das Projekt komme man nicht herum. Zweiter Bürgermeister Dr. Peter Thuy zeigte sich überrascht von den Bedenken gegen das Projekt. Immerhin gebe es im Ort ein „Objekt“, dass möglicherweise für die Altenbetreuung genutzt werden könnte und das offensiv zu bewerben sei. Einzelheiten dazu nannteThuy nicht. Er habe mit Trägern stationärer Einrichtungen gesprochen; alle erwarteten, dass Zahlenmaterial zum Bedarf vorgelegt werde.

Zwei Gegenstimmen

Von einer solchen angedachten Nutzung des „Objekts“ höre er zum ersten Mal, erwiderte Hermann Benker.

„Was mir nicht gefällt: Es wird zu viel gemanagt“, meinte auch Dr. Reinhardt Schmalz (Freie Wählergemeinschaft). Er habe den Eindruck, dass das IEK zum „Beschäftigungsprogramm für Diplomsoziologen“ werde. Tatsache sei aber, dass „auf anerkannter Basis“ zu handeln sei; dafür sei das IEK-Altenhilfekonzept im Moment die einzige Alternative.

Der Gemeinderat stimmte schließlich mehrheitlich für das Konzept mit Einstellung eines Projektmanagers. Dagegen waren Armin Prechtel und Hermann Benker. H.K.



Quelle: FRANKENPOST vom 01. April 2008___________ Download: Damit alte Menschen gut leben können