Der Blick zum Nachbarn zahlt sich aus
Generation 1-2-3 - Auch wenn nur wenige Bürger der Modellregion die Fragebögen ausgefüllt haben, ist der Wunsch nach einer umfassenden Versorgung im Alter klar erkennbar. Jetzt sind allerorts gute Ideen gefragt.
Von Harald Werder
Schwarzenbach an der Saale – Die Bürger der neun Kommunen, die sich im Projekt „Generation 1,2,3“ gefunden haben, sind zufrieden und wollen es im Alter auch möglichst bleiben. Das ist, kurz gefasst, das Ergebnis der Fragebogenaktion, die nun abgeschlossen ist. Auch wenn nur 808 Bögen, was fünf Prozent der Haushalte entspricht, beim Projektleiter Michael Stein wieder angekommen sind, der Soziologe ist zufrieden: „Die Ergebnisse sind repräsentativ, mit den Zahlen können wir arbeiten.“
Neubürger gut integriert
Ein gängiges Klischee ist mit dem Ergebnis in Bedrängnis geraten: Denn gut eingebunden in die Gemeinschaft fühlen sich alle, egal, ob sie von Geburt an in Schwarzenbach, Kirchenlamitz oder Schönwald wohnen oder erst viel später zugezogen sind. Den abweisenden Nordostoberfranken scheint es demnach kaum zu geben. Viele der Bürger wollen dieses soziale Leben pflegen, 41,3 Prozent finden, dass eine Begegnungsstätte für alle eine wichtige Einrichtung wäre.
Eine bedeutende Erkenntnis ist auch, dass sich zahlreiche Menschen Gedanken über die Versorgungssicherheit im Alter machen. Fachärztliche Versorgung, Tagespflege, barrierefreie Zugänge zu öffentlichen Gebäuden und Beratung für pflegende Angehörige sind Themen, die auf der Liste der Wünsche ganz oben stehen.
In einzelnen Bürgerforen vor Ort können sich Interessierte ein Bild der Ergebnisse machen, wie bereits in Schönwald und Schwarzenbach an der Saale geschehen. In einem weiteren Schritt sollen sich Bürger in Arbeitskreisen engagieren, die dann – womit sich der Kreis wieder schließt – bei einem „Markt der Möglichkeiten“ zusammenkommen und Angebote und Wünsche vorstellen. Michael Stein ist sich sicher, und die Zahlen geben das her, dass man nicht überall Neues aus dem Boden stampfen muss. Der entscheidende Vorteil von „Generation 1,2,3“ ist laut Stein eben die enge Verknüpfung untereinander und damit auch die Kommunikation zwischen allen.
Die Schwerpunkte der zukünftigen Arbeit sind daher auch die bessere, zentrale Information sowie die Vernetzung bestehender Angebote. Stein nennt zwei Beispiele. So bemängeln viele Schwarzenbacher, dass es zu wenig öffentliche Toiletten gibt, auch ein Bringdienst für Lebensmittel wäre schön. Mit beidem ist die Stadt aber versorgt, sagt Stein. Mit einem Faltblatt, in dem alle für Bürger relevanten Einrichtungen und Dienste aufgeführt sind, wäre das Problem aus der Welt. Fahrdienste zum Arzt oder zu Veranstaltungen jeder Art sind auch gefragt. Stein: „Man muss dafür aber keinen Bus kaufen. Die Kirche hat einen oder der Fußballverein – man muss es nur wissen und sich absprechen.“
Zwar ist das Projekt auf drei Jahre beschränkt, aber Stein ist zuversichtlich, dass sehr bald alle beteiligten Seiten erkennen werden, dass sich ständige Zusammenarbeit lohnt. Insofern soll das Miteinander von Bürgern, Stadtverwaltungen, Vereinen und sozialen Trägern bald ins Rollen kommen und schließlich eine Eigendynamik entwickeln.
Der Projektleiter ist schon jetzt davon überzeugt, dass die Chancen dafür gut stehen. Sehr sicher ist er, dass der eingeschlagene Weg der richtige ist. Denn das Interesse anderer Regionen und Städte an dem laut Stein „bundesweit einmaligen Konzept“ ist bereits groß: „Ich bekomme Anfragen aus ganz Deutschland. Alle wollen wissen, was wir genau machen.“
Generation 1,2,3
Das Projekt „Generation 1,2,3“ hat die Erhöhung der Attraktivität der Region für ältere Menschen und junge Familien zum Ziel. Die Modellregion, in
der rund 35000 Menschen leben, umfasst die Städte und Gemeinden Oberkotzau, Schwarzenbach an der Saale, Sparneck, Zell sowie Kirchenlamitz, Marktleuthen, Röslau, Schönwald und Weißenstadt.
Quelle: Frankenpost vom 19. März 2009_______
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