Lebhafte Diskussionen beim Bürgerforum
Schwarzenbach a.d.Saale | Teilnehmer sprachen über mögliche Begegnungsstätte / Auswertung der Fragebogenaktion
Der demografische Wandel, das Älterwerden der Bevölkerung und der Wegzug der Jungen stellt auch an Schwarzenbach besondere Herausforderungen. "Sie bietet aber auch Chancen für die Jugend", stellte am Samstag Michael Stein beim Bürgerforum im Evangelischen Gemeindehaus fest. Er betreut das interkommunale Altenhilfe- und Mehrgenerationenkonzept im Nördlichen Fichtelgebirge. Jetzt liegen die Ergebnisse aus der Fragebogenaktion vor. Ganz oben auf der Liste steht mit 57,7 Prozent die fachärztliche Versorgung, gefolgt von der Verbesserung von Bus-/Bahnanbindungen (55,3 Prozent). Für die Schwarzenbacher ganz wichtig ist auch eine bessere Versorgung mit öffentlichen Toiletten im Stadtgebiet.
Der Dialog zwischen den Generationen wird in der heutigen Gesellschaft immer wichtiger. Der Alltag zeigt aber, dass ein gegenseitiges Verständnis zwischen Alt und Jung nicht selbstverständlich ist. Mit der Umfrage (im Rahmen des Interkommunalen Altenhilfe- und Mehrgenerationenkonzeptes für das Nördliche Fichtelgebirge) wollte man aktiv dazu beitragen, dass dies nicht so bleibt.
Ziel des Projekts 1-2-3 ist es, die Bedürfnisse einer älter werdenden Gesellschaft in unserer Region aufzuzeigen, um dann Zug um Zug eine Verbesserung der Angebote für alle Generationen zu erreichen. Blickt man weiter in die Zukunft, soll durch dieses Projekt ein überregionales Interesse für die Region geweckt werden und dabei helfen, junge Familien, Fachkräfte und ältere Mitbürger für einen Zuzug zu gewinnen.
Unter der Moderation von Pfarrer Wolfram Lehmann wurde dann lebhaft diskutiert. Im Evangelischen Gemeindehaus fanden sich dazu 80 interessierte Bürger ein. Klaus Egl aus Schwarzenbach meinte eingangs: "Was will eine 20-jährige Schwarzenbacherin mit einem 70-Jährigen - das kann doch nicht gut gehen." Er begründete dies damit, dass doch jede Altersklasse ihre eigenen Interessen habe. "Und da denken doch die Jungen ganz anders als die Eltern oder die Großeltern." Auch andere Forumsteilnehmer zweifelten an, dass eine Begegnungsstätte für alle aufgrund der verschiedenen Interessen funktioniere.
Eine junge Schwarzenbacherin sprach davon, dass man eine Tauschbörse einrichten könnte. "Hausfrau bietet Wäscheservice an, dafür werde ihre Kinder gehütet." Stadtrat Wieland Dengler sagte: "Eine zu starke Reglementierung bringt auch nichts. Es werden dann nur Hemmschwellen aufgebaut. Und die Sache wird wieder kaputt gemacht." Andere Redner vertraten die Auffassung, dass es doch schon genügend Angebote gebe, auch für Senioren. Vom Familiennachmittag in Hallerstein bis zum Seniorentreffen in "St. Franziskus." Die hohe Kunst wird sein, stellten übereinstimmend alle Teilnehmer fest, alles informativ zusammen zu fügen.
Der nächste Schritt soll daher sein, bis Ende 2009 alle Beiträge zusammenzufassen und mit einem Markt der Möglichkeiten, einer Art Messe, Wege und Möglichkeiten für das Nördliche Fichtelgebirge aufzuzeigen, so Michael Stein. Bürgermeister Alexander Eberl meinte, er bekomme oft Anrufe von Leuten, die ihm zum Beispiel sagen, dass sie aus Altersgründen den Winterdienst nicht mehr machen könnten. Es gebe, so das Stadtoberhaupt, viele Angebote, auch für Senioren. Doch nicht alle Bürger würden diese kennen. Es wäre oft ein Informationsproblem.
Es wurden dann drei Arbeitsgruppen gebildet: "Mobilität", "Wohnen im Alter" und "Information und Informationsweg". Die 80 Teilnehmer wurden auf diese drei Gruppen aufgeteilt. Nach über einer Stunde fand man sich wieder im "Plenum" ein und jede Gruppe präsentierte ihre wichtigsten Punkte.
Bei der Gruppe "Mobilität" ging es vor allem darum, wie kann das alles finanziert werden. Ehrenamtliche Mitarbeiter sind schon an ihren Grenzen und der Nahverkehr ist preislich unattraktiv. Kirche und Fußballclub in Schwarzenbach haben schon einen eigenen Bus. Andere Träger könnten sich daran beteiligen. Eine genaue Bedarfsanalyse wird von dieser Arbeitsgruppe noch bis Ende Mai folgen.
Bei der Gruppe "Wohnen im Alter" wurde herausgestrichen, dass es einen weiteren Bedarf an altersgerechten Wohnungen gibt. Auch hier soll es eine konkrete Erhebung und Bedarfsermittlung geben. Bis Ende Juli ist mit Resultaten zu rechnen.
Bei der Gruppe "Information und Informationswege" wurde betont, eine Infobroschüre wäre wichtig. Und eine Infosprechstunde einmal in der Woche im Rathaus. Dort sollen sich alle Pflegedienste und Senioreneinrichtungen präsentieren.
Übereinstimmend meinten alle Teilnehmer, dass eine Zusammenarbeit mit anderen Kommunen wichtig sei, denn das Prinzip sei das "Geben und Nehmen". Ideen müssen durch die Bürger umgesetzt und an Veranstalter heran getragen werden. Ein Ausblick in die nahe Zukunft besagt, dass man die Vernetzung der Kommunen weiterführen will, auch durch Wissensaustausch. Und dass Gastreferenten willkommen sind, zum Beispiel Architekten für barrierefreies Wohnen.
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Quelle: Schwarzenbacher Amtsblatt vom 20. März 2009_______
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