Neun Kommunen als gutes Beispiel
Bilanz | Das „Interkommunale Entwicklungskonzept“ im nördlichen Fichtelgebirge bringt erste Erfolge. Bürgermeister Eberl sieht bei der Zusammenarbeit der Verwaltungen noch viel Entwicklungspotenzial. von Willi Fischer
Kirchenlamitz – Der „Stadtumbau West“ zeitigt in den Kommunen des nördlichen Fichtelgebirges erste Erfolge. In Kirchenlamitz wurde nun eine erste Bilanz der „Stadtumbau West-Projekte“ des Interkommunalen Entwicklungskonzeptes (IEK) gezogen. Im IEK arbeiten die Städte und Gemeinden Schwarzenbach/Saale, Kirchenlamitz, Marktleuthen, Weißenstadt, Röslau, Sparneck, Zell, Schönwald und Oberkotzau.
Der Kirchenlamitzer Bürgermeister Thomas Schwarz erklärte, welche Projekte bereits begonnen haben oder in der Umsetzungsphase sind.
Alexander Eberl, Bürgermeister von Schwarzenbach/Saale, zog eine Bilanz und stellte fest, dass man ein gutes Stück vorangekommen sei. „Mit unserer landkreisübergreifenden Kooperation von neun Kommunen und 35000 Einwohnern wurden wir schnell zu einem oberfränkischen Vorzeigeprojekt.“ Eberl räumte ein: „Auch wenn der ,Stein der Weisen’ nicht gefunden wurde, so haben sich doch wichtige Projekte herauskristallisiert.“ Als positiv bezeichnete er es, dass „wir ein Gespür dafür bekommen haben, welche Stärken diese Region hat und wie diese gezielter herausgearbeitet werden können“.
Als „Nebenprodukt“ nannte Eberl auch verschiedene Kooperationen zwischen Kommunen. Dabei nannte er die Bauhofkooperation zwischen Weißenstadt und Röslau in einem Kommunalunternehmen, die gemeinsam beschafften Bauhofmaschinen von Oberkotzau, Kirchenlamitz und Schwarzenbach oder die intensive Zusammenarbeit der Bauhöfe Schwarzenbach und Kirchenlamitz. Sein Fazit: „Die Zusammenarbeit hat sich gelohnt!“ Eberls Vision ist eine Zusammenarbeit zwischen den Verwaltungen. „Diese könnten eine gemeinsame EDV oder eine gemeinsame Personalabrechnung betreiben. Hier liegt noch viel Potenzial brach.“
Ulrich Wieler vom Architekturbüro „UmbauStadt – Urbane Konzepte, Städtebau, Architektur“ aus Weimar, ging auf das kommunale Klimaschutzkonzept ein. Dabei sollten regionale Ressourcen und eine Wertschöpfung vor Ort erzielt werden. Fünf Kommunen würden sich an dem Konzept beteiligen. Starttermin sei der 1. Juli. Als eine weitere Zielsetzung nannte Wieler das Potenzialflächen- Management. Dabei sollten sollen Leerstände, sowohl im gewerblichen wie auch im privaten Bereich, erhoben und für Interessenten publik gemacht werden. Ferner ging Wieler auf die touristische Entwicklung ein. Zielvorgaben seien hier eine Leitstelle „Tourismus“, eine gemeinsame Internet- Präsenz sowie im Internet buchbare Pauschalangebote.
Michael Stein vom Interkommunalen Altenhilfe- und Mehrgenerationenkonzept, „Generation 1, 2, 3“, gab Aufschluss über das Projekt, das seit einem Jahr läuft. Es gelte, die Versorgung der älteren Generation in der Region sicherzustellen. Auch ein Zusammengehörigkeitsgefühl solle entwickelt werden. Bei der Umfrage seien 808 Bögen zurückgegeben worden. Die Ergebnisse würden als „Markt der Möglichkeiten“ zusammengeführt, teilte er mit. Den Bürgern solle dargelegt werden, wie sie sich ehrenamtlich engagieren könnten. In Großstädten solle gezielt für die Region mit dem Hinweis auf die Seniorenfreundlichkeit geworben werden. Dabei solle kein „Kirchturmdenken“ Platz greifen. Vielmehr sei an einen Austausch zwischen den verschiedenen Kommunen gedacht.
Übergreifende Projekte seien noch der Saaleradweg und der „Waldstein-Express“.
In der Fragestunde wurde vorgeschlagen, ein Sammeltaxi bei bestimmten Anlässen, wie zum Beispiel den Wiesenfesten in Weißenstadt und Kirchenlamitz, einzuführen.
Bürgermeister Frank Dreyer aus Weißenstadt brachte das Ergebnis des Stadtumbauforums auf den Punkt: „Es gehe darum, dass die einzelnen Kommunen ihre Stärken herausstellen. „Es gilt die Marke ,Fichtelgebirge’ bekannt zu machen.
Die Projekte - Interessante Ideen in allen Orten
Kirchenlamitz – Rico Emge vom Büro „UmbauStadt“ stellte in Kirchenlamitz die einzelnen Projekte der Interkommunalen Zusammenarbeit im nördlichen Fichtelgebirge (ILK) vor.
In Kirchenlamitz und Schwarzenbach/Saale läuft derzeit ein Realisierungswettbewerb für eine künftige Nutzung der Winterling-Areale. Es gehe darum, wie die insgesamt 100000 Quadratmeter Geschossfläche genutzt werden können. Vom Stadtumbau West habe Kirchenlamitz vor allem durch höhere Fördersätze bei der Altstadtsanierung profitiert.
In Marktleuthen laufe das Projekt „Angerbereich“ und „Egerufer“, das in mehrere Bauabschnitte aufgeteilt sei. Emge: „Ohne die hohe Förderung aus dem Stadtumbau-Projekt hätte diese Maßnahme nicht realisiert werden können.“
In Oberkotzau gehe es um das Summa-Gelände. Hier wurde eine Machbarkeits-Studie erstellt. Dabei habe sich gezeigt, dass die alte Bausubstanz nicht verwendungsfähig sei, „deshalb werden in den nächsten Wochen die Bagger anrollen“.
In Röslau kann die Freiraumgestaltung für einen Mehrgenerationenplatz geschaffen werden.
Schönwald bekommt eine „neue Mitte“. Das Verkehrs- und Außenraum-Konzept befindet sich bereits in der Umsetzung und soll bis 2011 realisiert werden.
In Schwarzenbach/Saale geht es um das Rathausumfeld und die Neuordnung des ehemaligen Böhm-Geländes mit einem Edeka-Markt.
In Sparneck soll laut Emge das Flemig-Areal umgenutzt und die meisten Bauten zurückgebaut werden. Das riesige Gelände des ehemaligen Textilveredelungsbetriebes soll für neue Nutzungen verwendet werden. Unter anderem seien derzeit ein Freizeitgelände und ein Gewerbepark im Gespräch.
In Weißenstadt habe die Umgestaltung des Marktplatzes als „das Herz der Stadt“ sowie die neue Nutzung eines vor langer Zeit ausgebrannten ehemaligen Hotels Priorität.
In Zell stehe die Gestaltung des Marktes an. Dieser solle für die Bürger und Touristen des Fremdenverkehrsortes attraktiver werden. W. F.
Quelle: Frankenpost vom 11. Juni 2009
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