* Neues zu Generation 1-2-3 *

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Präsentation Generation 1-2-3

Hier finden Sie zum Modellprojekt Generation 1-2-3 eine Ende 2010 erstellte
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Neun Orte, ein Ziel

Kooperation - Bislang hat es sich für alle gelohnt - dieses erste Fazit ziehen die Bürgermeister der neun Gemeinden, die sich in einem Entwicklungskonzept vereinen. Kirchturmdenken halten sie für kontraproduktiv.    Von Harald Werder

Oberkotzau – Es gibt immer wieder Ideen, deren Verwirklichung auf der Hand zu liegen scheint – und die dennoch nur selten konkret werden. Das Interkommunale Entwicklungskonzept (IEK) von neun Gemeinden des nördlichen Fichtelgebirges ist eine solche – umgesetzte – Idee. Näher zusammenzurücken und gemeinsam mehr als allein zu schaffen, scheint vielerorts angebracht zu sein, aber offenbar hat das IEK eine Vorreiterrolle, denn
das Interesse dafür ist bundesweit groß. Nach drei Jahren haben die neun Bürgermeister gestern in Oberkotzau eine positive Bilanz gezogen.

Die Logik des Konzepts ist zwingend. „Der demographische und wirtschaftliche Wandel macht vor Gemeindegrenzen nicht Halt“, betonte Petra Gräßel, leitende Baudirektorin bei der Regierung von Oberfranken. Den Schwund in den Orten zu stoppen und das Umfeld attraktiver zu machen, sei daher das Gebot der Stunde.

Sie lobte die Eigendynamik, die sich innerhalb des Verbunds entwickelt habe und unterstrich auch einen wesentlichen Faktor, mit dem das IEK besser fährt als einzelne Gemeinden: die Fördergelder. Denn in den Genuss der Mittel aus dem Topf von Stadtumbau West kommen kleine Kommunen wie etwa Zell nicht – normalerweise. Treten aber Gemeinden mit einer Gesamteinwohnerzahl von 35000 gemeinsam auf, ändert sich natürlich die Ausgangslage.

Projekte allerorten

Den Bürgern nahezubringen, dass die Kooperation auch etwas bringt, dass Kirchturmdenken vieles verhindert, sei eine der wesentlichen Aufgaben der Bürgermeister, betonte Alexander Eberl, der Rathauschef in Schwarzenbach an der Saale. So seien mittlerweile in allen Orten Projekte umgesetzt worden oder in der Planung, die mittelbar oder unmittelbar ohne das IEK nicht oder nur unter stark erschwerten Bedingungen möglich gewesen wären. So beispielsweise die Keimzelle des Konzepts: Die Winterling-Brachen in Schwarzenbach und Kirchenlamitz, in die wieder Leben kommen soll.

Weitere Beispiele sind das Summa-Areal in Schwarzenbach, der Info-Pavillon in Marktleuthen, der Mehrgenerationenplatz in Röslau, ein Bürgerhaus in Weißenstadt oder die Neugestaltung der Ortsmitte von Sparneck. Doch es müssten nicht immer gleich große, kostenintensive Bauprojekte sein, die man innerhalb des IEK schultern kann, betonten die Bürgermeister einhellig. Oft sei der allein der Umstand, dass man sich untereinander nun häufiger trifft, schon sehr hilfreich. Etwa wenn ein Verein ein Aushilfsquartier braucht, seien die neu geschaffenen kurzen Wege allen Beteiligten dienlich.

Ein bedeutender Aspekt der Zusammenarbeit ist aber nicht nur ein großer Fördertopf für alle. Jede einzelne Kommune kann über das IEK besser wirtschaften. Weißenstadt und Röslau etwa haben miteinander ein kommunales Unternehmen gegründet und haben damit keinen eigenen Bauhof mehr. Ein ähnlicher Gedanke stand dahinter, als sich Oberkotzau, Schwarzenbach und Kirchenlamitz ein gemeinsames Kehrfahrzeug angeschafft haben. Eberl will sein Werben für das Konzept auch als Appell an den Gemeinsinn verstanden wissen. Es sei demnach nicht umsetzbar, in jedem Ort ein Ärztehaus zu etablieren. Und natürlich hätte Schwarzenbach im Prinzip auch gerne eine eigene Dreifachturnhalle, aber da im benachbarten Oberkotzau bereits eine steht, sei ein solches Projekt unsinnig. Eberl: „Wenn etwas im anderen Ort neu entsteht, dann ist das nicht das Versagen des eigenen Bürgermeisters, sondern ein Gewinn für die Region.“

In diesem Zusammenhang sei es von besonderer Wichtigkeit, dass das Zusammengehörigkeitsgefühlgestärkt wird, denn nur dann hätte auch eine gemeinsame Vermarktung als Freizeitregion echte Chancen. Aber nicht nur die Außenwirkung des IEK sei bedeutsam, auch der Austausch auf Bürgerebene. Ein Beispiel ist das Projekt „Generation 1,2,3“. Darin sollen sich die Menschen vor Ort für einen lebenswerte Gemeinde einsetzen aber auch darüber hinaus für den anderen da sein. Projektleiter Michael Stein hat daher in seinem Konzept auch Mitfahrgelegenheiten stehen, die greifen sollen, wenn etwa Senioren zum Arzt in die Nachbargemeinde müssen. Dass in Sachen Vernetzung der Orte im öffentlichen Nahverkehr noch Verbesserungsbedarf
besteht, betonten die Bürgermeister. Aber wenn dies laufe, sei eine gute Nachbarschaft programmiert. So sagte Claudia Plaum, die für das IEK-Organ „Komm mit!“ zuständig ist, dass die überörtlichen Veranstaltungshinweise dazu geführt hätten, dass nun häufig Kirchenlamitzer Ausstellungen in Schwarzenbach besuchen.

Groß ist nicht immer billiger

Das Projekt hat sich bei aller Gemeinschaftlichkeit allerdings selbst Grenzen gesteckt. „Wir wollen keine neue Gemeindegebietsreform“, machte Alexander Eberl deutlich. Denn Größe allein mache nicht alles automatisch billiger. So wollen die Bürgermeister kleine Einheiten, wo sie sinnvoll sind, erhalten.

Wobei man laut dem Oberkotzauer Bürgermeister Stefan Breuer aber darüber diskutieren muss, was wirklich sinnvoll ist. „Natürlich wollen die Bürger noch in ihrer Gemeinde getraut werden. Aber es stellt sich die Frage, ob man das komplette Standesamt noch in allen Kommunen braucht.“ Demzufolge müssten die Gemeinden bestrebt sein, das zu behalten, was unter Service vor Ort fällt. Dagegen kann sich Breuer vorstellen, dass Steuerverwaltungen teilweise zusammengelegt werden können, weil es dem Bürger in diesem Fall egal sei, wo diese Arbeit erledigt wird.


Interkommunale Entwicklung

Das „Interkommunale Entwicklungskonzept“ (IEK) hat seinen Ursprung in der Zusammenarbeit von Schwarzenbach an der Saale und Kirchenlamitz, die 2003 Gespräche aufnahmen, um für die Zukunft der beiden Winterling-Industriebrachen eine Lösung zu finden. Fast zeitgleich wurde das Förderprogramm „Stadtumbau West“ ins Leben gerufen. Um darin aufgenommen zu werden, mussten Kommunen jedoch ein Entwicklungskonzept vorweisen. Da dies für kleine Gemeinden nur schwer zu leisten und vor allem teuer ist, schlossen sich zunächst Marktleuthen, Weißenstadt und Röslau an. Es folgten später Sparneck, Zell, Schönwald und Oberkotzau.


Quelle: Frankenpost vom 26. März 2009_______ Download: Neun Orte, ein Ziel