Stadt Rehau will nicht beitreten
Werbung | Michael Stein erklärt den Stadträten das Projekt „Generation 1-2-3“. - Von Susanne Glas
Rehau – Der demografische Wandel in der Region ist ein heißes Eisen, das vielen Kommunen, gerade in der ländlichen Region, Kopfzerbrechen bereitet. Aber das Eisen kommt auf den Tisch: Zu ihrer Sitzung am Mittwoch hatten sich die Rehauer Stadträte Michael Stein eingeladen. Der Soziologe stellte das Projekt „Generation1-2-3“ vor, das „Interkommunale Altenhilfe- und Mehrgenerationenkonzept im Nördlichen Fichtelgebirge“.
Kirchenlamitz, Marktleuthen, Oberkotzau, Röslau, Schönwald, Schwarzenbach an der Saale, Sparneck, Weißenstadt und Zell im Fichtelgebirge heißen die neun Kommunen, die gemeinsame Sache im Verbund machen. Wie das aussieht, erläuterte Michael Stein, bei dem die Drähte seit Projektstart April 2008 zusammenlaufen. Aufbauend auf eine Umfrage unter den insgesamt 34.000 Einwohnern der Kommunen und Bürgerforen seien in Arbeitskreisen diverse Projekte angeschoben worden.
Sprechtag ins Leben gerufen
So bieten laut Stein die Pflegedienste in Schwarzenbach neuerdings einen Informationssprechtag an, in Weißenstadt hat ein neu gegründeter Seniorenbeirat Antragsrecht im Stadtrat, in Schwarzenbach rollt ein Bürgerbus von Haus zu Haus und die Oberkotzauer planen eine Ehrenamtsbörse. „Langfristiges Ziel all dieser Aktionen ist es, die Attraktivität der Region für ältere und junge Familien zu erhöhen“, erklärte Stein.
Mit Blick auf den demografischenWandel sei eine konsequenteUmsetzung der gesammeltenIdeen unerlässlich. Immerhinsei bereits heute einViertel der Bevölkerung besagterneun Gemeinden65 Jahre undälter. Laut Prognosefür das Jahr 2028werden dann sogar40 Prozent der Bürgerälter als 60 Jahresein – „und dasbei einem allgemeinenBevölkerungsrückgangvon 20Prozent“, gab Steinzu bedenken – undrührte die Werbetrommelfür einenBeitritt der StadtRehau in den Verbund.
Die Verteilung der Projektfinanzierung auf viele Schultern halte er nämlich für einen guten Grund, das Projekt auch über das Jahr 2010 hinaus weiterzuführen. Bis dahin ist es nämlich vorerst angelegt, wobei sich das Bayerische Staatsministerium für Arbeit und Sozialordnung, Familie und Frauen hälftig mit den neun Kommunen die Kosten für Steins Stelle teilt.
Bürgermeister Michael Abraham machte zwar schnell klar, dass die Stadt Rehau sich nicht als potenzielles Mitglied sehe, unter anderem weil sie über ein eigenes Stadtentwicklungskonzept verfüge und dem demografischen Wandel nicht so gravierend ausgesetzt ist wie die umliegenden Gemeinden. Trotzdem meldeten sich viele Stadträte zu Wort.
„Wenn wir das Gehörte spiegeln, sind wir in Rehau gar nicht so schlecht unterwegs“, stellte CSU-Fraktionschef Jürgen Icks fest und erkundigte sich nach den Vorteilen der Mitarbeit in dem Verbund.
Zugang zu öffentlichen Töpfen
Laut Michael Stein gebe es fürdie Mitglieder „eindeutig“ einenbesseren Zugang zu öffentlichen Töpfen. CSU-Stadrat Harald Ehm fragte an, wer die genannten Projekte finanzieren muss – und bekam zur Antwort, dass die „Generation 1-2-3“ nicht über ein Projektbudget verfügt. Vielmehr müssten für die Projekte Träger wie Kirchen und soziale Dienste gewonnen werden – und auch die Kommunen selbst seien über ihren Beitrag an Steins Stelle hinausgefragt.
Ulrich Scharfenberg (SPD) erkundigte sich am Ende zwar noch nach den Bedingungen für die Aufnahme der Stadt Rehau in den Verbund. Für Siegfried Hopperdietzel (FUWR) stand mit Blick auf geringen Rücklauf bei der Fragebogen-Aktion (808 von 15.000) jedoch fest: „Dafür interessiert sich doch kein Mensch!“
Quelle: FRANKENPOST vom 29. Januar 2010________
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