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Vorbildliches Bündnis

Beim Stadtumbauforum „Nördliches Fichtelgebirge“ in berichten Planer und Politiker über den Stand der Maßnahmen. 
Von Gerd Pöhlmann

Schönwald -
Seit 2005 arbeiten neun Städte und Gemeinden aus dem nördlichen Fichtelgebirge zusammen. "Kontinuierlich und erfolgreich", wie Architekt Ulrich Wieler von der Arbeitsgemeinschaft Umbau Stadt in Weimar betont. Wieler und seine Kollegen betreuen das "Nördliche Fichtelgebirge", wie sich der Zusammenschluss genannt hat, in den verschiedenen Bereichen vom Klimaschutz bis zum Tourismus. Im Katholischen Jugendheim in Schönwald informierten die Planer sowie die Bürgermeister aus Kirchenlamitz, Marktleuthen, Oberkotzau, Röslau, Schönwald, Schwarzenbach/Saale, Sparneck, Weißenstadt und Zell über den aktuellen Arbeitsstand. Wie Schönwalds Bürgermeister Robert Frenzl unterstrich, sei die interkommunale Zusammenarbeit (IEK) eine Erfolgsgeschichte. "Vieles wurde bereits erledigt, manches muss noch angegangen werden." Und er lobte ausdrücklich die gute Zusammenarbeit mit seinen Bürgermeisterkollegen. Mit der Arbeit zufrieden zeigte sich auch Thomas Schwarz, der Bürgermeister von Kirchenlamitz: "Ohne diesen Zusammenschluss wären wir niemals in die Förderprogramme aufgenommen worden. Zudem lautet der klare Beschluss des Ministerrats, Bündnisse wie unser ,Nördliches Fichtelgebirge' bevorzugt zu fördern." Jede Kommune sei mit unterschiedlichen Parametern eingestiegen, von der finanziellen Ausstattung bis zur Einwohnerzahl. Alles in allem konnten die Bedürfnisse und Aufgaben in einzelnen Arbeitsgruppen gebündelt werden, so Schwarz. Dabei muss jedoch unterschieden werden zwischen lokalen und interkommunalen Projekten, wobei auch die Vorhaben, die die Stadtgrenzen überschreiten, nicht von allen mitgetragen werden müssen.
Allerdings, so Architekt Wieler, hätten die Bürgermeister erkannt, dass es nur funktioniert, wenn alle an einem Strang ziehen. Und das wird auch von außen so wahrgenommen. Die übergeordneten Stellen, sowohl auf Landes- als auch auf Bundesebene loben die Zusammenarbeit in den höchsten Tönen. "Die finden das ganz erstaunlich, dass hier die sogenannten Kirchturmparameter vollkommen außer Acht gelassen werden. Mehr noch: Die Arbeit über Gemeinde- und Landkreisgrenzen hinweg hat schon Vorbildcharakter", freute sich Wieler.
Das sei insofern von Bedeutung, da die Region in den vergangenen zwanzig Jahren eine große Veränderung durchleben musste. "Viele erinnern sich eben noch daran, wie es war, und verkennen dabei die Potenziale, die in der Region liegen," sagte der Architekt. Dazu kommt, dass der Oberfranke an sich wohl eher selten mit seinen Talenten hausieren gehe und zunächst gerne mal zweifle, was sich auch an der Diskussion um den Namen "Nördliches Fichtelgebirge" zeige. "Klar, das klingt zunächst einmal kalt," sagte Wielers Kollege Rico Emge. Aber das sei eben die Region in der man lebe. Dazu könne man guten Gewissens stehen.

Die interkommunalen Projekte

Das Interkommunale Entwicklungskonzept (IEK) wurde 2006 im Rahmen das Förderprogramms "Stadtumbau West" entwickelt. Seitdem wurden in den neun beteiligten Gemeinden (siehe Bericht oben) eine Menge Ideen zusammengetragen und teilweise schon gemeindeübergreifend verwirklicht.
Ein Beispiel ist das Potenzialflächenmanagement. "Leerstände sind eine lästige Tatsache, die wir in den Griff zu kriegen versuchen," erläuterte Architekt Ulrich Wieler. Die Planer der Arbeitsgemeinschaft Umbau Stadt aus Weimar haben die leer stehenden Gebäude erfasst und ins bayerische Informationssystem Sisby eingespeist. Dort haben Interessenten über das Internet Zugriff auf mögliche Standorte.
Eine ähnliche Problematik behandelt das Wohnungswirtschaftskonzept. Der Strukturwandel sorgt zum einen für leere Gewebeflächen, zum anderen bleiben viele ungenutzte Wohnungen zurück. Hier machen die Städteplaner Vorschläge zur Optimierung und Ertüchtigung der Wohnbauten. Im schlimmsten Fall sollten alte Häuser abgerissen werden.
Ein wichtiges Vorhaben ist der kommunale Klimaschutz. Für dieses Schlüsselprojekt konnten erhebliche Bundesmittel mobilisiert werden, so Wieler. Regenerative Energien sollen verstärkt genutzt werden, um klimarelevante Emissionen zu mindern. Ein weiterer, nicht weniger wichtiger Aspekt ist es, die Wertschöpfung in der Region zu erhalten. Was hier verbraucht wird, soll nach Möglichkeit auch hier produziert werden.
Noch im Anfangsstadium befindet sich eine Einzelhandelsbröschüre, die neben dem monatlich erscheinenden "Komm Mit!"-Magazin, Informationen rund um Handel und Dienstleister bieten soll.
Seit gut einem halben Jahr ist die Homepage "www.noerdliches-fichtelgebirge.de" online. Sie liefert Informationen über die Zusammenarbeit der neun Kommunen in den einzelnen Bereichen, soll aber auch für die Region als touristisches Ziel werben. "Hier kann sich jede Kommune mit ihren Talenten präsentieren. Dazu können Tourismusbetriebe ihre Angebote einstellen", sagte Ulrich Wieler.
Der Tourismus selbst ist das Fachgebiet von Barbara Thierfelder. Sie betreut die gemeinsame Leitstelle in Weißenstadt. Dabei legt sie viel Wert auf Zusammenarbeit mit der Touristinfo Fichtelgebirge. Momentan gehe es hauptsächlich darum, alle Anbieter in eine Datenbank aufzunehmen, die dann auch auf der Homepage eingebunden werden kann. Weitere Überlegungen drehen sich um die Qualifizierung des vorhandenen Wegenetzes, der Einbettung des Egerweges in die umgebenden Radwege oder einer "touristischen Erschließung" des Kornberges. Aktuell wird zudem der Infopoint in Weißenstadt eingerichtet.
Schließlich versucht man mit dem Projekt "Generation 1-2-3" den Herausforderungen des demographischen Wandels Herr zu werden. Laut Projektleiter Michael Stein wurden bislang die Bedürfnisse einer älter werdenden Gesellschaft ermittelt, und auf dieser Grundlage ein regionales Mehrgenerationenkonzept erstellt. Dazu gehören eine Ehrenamtsbörse oder ein Fahrdienst. Eine Vortragsreihe im Herbst soll von der Pflege über Mobilität im Alter bis hin zur Familienfreundlichkeit die zahlreichen Aspekte eines generationsübergreifenden Zusammenlebens beleuchten. Die Förderung für "Generation 1-2-3" laufe allerdings Ende des Jahres aus, so Stein. Die Nachhaltigkeit des Projektes sei aber gegeben.

Die lokalen Projekte der Städte

Direkt für die Bürger erfahrbar sind die lokalen Projekte innerhalb des IEK-Zusammenschusses. Über die laufenden Maßnahmen informierte Architekt und Stadtplaner Rico Emge. Die Vorhaben lassen sich grob in vier Kategorien einteilen: Revitalisierungsmaßnahmen, Aufwertung der Kernbereiche, Infrastrukturmaßnahmen und Freizeitangebote. In Kirchenlamitz und Schwarzenbach an der Saale sei die Revitalisierung der ehemaligen Winterling-Gelände in vollem Gange. Aktuell arbeite man an der Vermietung der freien Flächen, Interessenten dafür sind vorhanden, sagte Emge. Ein weiteres gutes Beispiel für das, was möglich ist, sei das Granitlabyrinth in Kirchenlamitz. "Es geht nicht immer darum, Projekte mit einer gewissen Wirtschaftlichkeit durchzuziehen, man kann auch einfach mal etwas Schönes schaffen." Und in Kirchenlamitz seien sich die Besucher einig, dass dieses Labyrinth eine Attraktion für die Stadt und die Region sei. Auch der Wasserspielplatz in Marktleuthen mit Informationsbereich und Wohnmobilstellplatz sei laut Emge "traumhaft schön gelungen". Auch dieser werde sehr gut angenommen. In Oberkotzau soll das Summa-Gelände wieder zurück an die Stadt gehen. Was dort entstehen wird, ist allerdings noch nicht ganz klar. "Ein Landschafts- oder Bürgerpark ist denkbar. Es soll auf jeden Fall ein Gewinn für die Stadt sein", sagte Emge. Auch in Röslau sind die Arbeiten noch in Gange. Mit dem Platz der Generationen erwarte man eine Aufwertung und neue Impulse für die Bürger. Das Schlagwort in Schönwald lautet "Neue Mitte". Hier wird ein neuer Marktplatz geschaffen, mit Café und öffentlichen Toiletten. Der erste Bauabschnitt wurde bereits fertig gestellt. Beispielhaft nannte Emge auch die Studie zum Einsparungs- und Aufwertungspotential des Freibades. "Viele Kommunen haben Bäder, die eigentlich immer defizitär arbeiten. Aber die Bürger lieben die Bäder, also müssen wir sie erhalten." Hier besteht eine Möglichkeit darin Sonnenkollektoren zur Warmwassererzeugung zu nutzen. Die Nachnutzung des Flehmig-Geländes steht im Markt Sparneck im Mittelpunkt. Ziel soll die Entwicklung eines Gewerbeparks mit Freizeitmöglichkeiten sein. Schrittweise werden die Maßnahmen in Weißenstadt angegangen. Die Umgestaltung des Marktplatzes und der Kirchenlamitzer Straße sind in Arbeit. Eine Förderung von 60 bis 80 Prozent sind den Planern zufolge im Rahmen des Möglichen. "Das große Ziel in Zell ist es, die Öffentlichkeit wieder auf die Straße zu bringen," erklärte Rico Emge. Der Marktplatz soll nicht nur geographischer Mittelpunkt sein, sondern auch Ort des Zeller Lebens. Erreicht wird das durch die Neugliederung der Flächen und die Sanierung der Gebäude.  _____   Quelle: FRANKENPOST vom 17. Juli 2010_____   Donwload: Vorbildliches Bündnis